TorfersatzFachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Rinde

Gärtnern ohne Torf: Mit Rinde

Die Endlichkeit der deutschen Torfvorräte und das Bewusstsein zur Verwertung von Nebenprodukten der Säge- und Holzwerkstoffindustrie führte dazu, dass Verfahren zur Aufbereitung von Rinde zu substrattauglichem Rindenhumus entwickelt wurden. 

Neben Rindenhumus aus vorwiegend heimischer Nadelholzrinde, der sich als Torfersatz bei vielen Kulturen bewährt hat, kommt Pinienrinde aus dem westlichen Mittelmeerraum für Spezialsubstrate (z.B. Orchideensubstrate) zum Einsatz. Rindenmulch hingegen ist ausschließlich als Abdeckmaterial geeignet. 

Rindenhumus ist kompostierte, zerkleinerte und fraktionierte Rinde mit oder ohne Nährstoffzusätze. In Deutschland wird für die Herstellung von Rindenhumus vor allem Rinde aus der Gewöhnlichen Fichte und in geringer Menge auch Rinde der Waldkiefer verwendet. 

Ebenso wie die Verwendung von Holzfaserstoffen hat auch die Verwendung von Rindenhumus im Vergleich zum Torf einige Vorteile: 

  • Die Rohdichte von Rindenhumus ist circa doppelt so hoch wie die von Weißtorf. Substrate mit Rindenhumus sind daher schwerer als Torfsubstrate.
  • Es hat eine deutlich höhere Luftkapazität als Torf, was zu einer Auflockerung des Substrats führt, dessen Wasserdurchlässigkeit fördert und dadurch ein gutes Wurzelwachstum ermöglicht. 
  • Rindenhumus hat zudem eine hohe Austauschkapazität und damit eine gute Nährstoff- und pH-Pufferung. Die Gefahr von Salzschäden und von Nährstoffverlusten durch Auswaschung wird dadurch minimiert und der pH-Wert stabilisiert. 

Bei hohen Rindenhumusanteilen kann es durch eine erhöhte Manganaufnahme jedoch zu einem induzierten Eisenmangel kommen. 

Hinweise zur gärtnerischen Nutzung von Rindenhumus

  • Die Bewässerungsintervalle sollten dem relativ geringen Wasserspeichervermögen angepasst werden. 
  • Die Nachdüngung sollte stickstoffbetont erfolgen, um einer Stickstoff-Immobilisierung vorzubeugen. 
  • pH-Werte unter 6 sind zu vermeiden, um die Verfügbarkeit von Mangan zu begrenzen und der Gefahr eines induzierten Eisenmangels zu umgehen. Zusätzliche Eisengaben wirken risikomindernd. Liegt der ph-Wert des Bodens unter 6, ist der Boden sauer. Auf die Ansprüche der jeweiligen Kulturen abgestimmte Kalkgaben können das Bodenmilieu neutralisieren.

Die Reduzierung des Torfeinsatzes birgt erhebliches Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasemissionen und ist für das Erreichen der Klimaziele der Bundesrepublik unverzichtbar.

Eigenschaften von Rohrinde, Rindenhumus und Pinienrinde (Quelle: BLE, 2020)